Die Empa am «SPIN DAY 2022»

Ein Netzwerk zur Förderung von «Power-to-X» spinnen

24.06.2022 | STEPHAN KÄLIN
Am Donnerstag, 23. Juni 2022, trafen sich Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Politik im Innovationspark Dübendorf zum ersten Treffen der neu geschaffenen SPIN-Plattform zur Förderung von «Power-to-X»-Technologien. In einer gemeinsam unterzeichneten Deklaration rufen sie dazu auf, das Potenzial von «Power-to-X» zur Erreichung der Klimaziele zu nutzen und auszuschöpfen. Als Partner des SPIN-Netzwerks bringt die Empa ihre langjährige wissenschaftliche Kompetenz in der Erforschung synthetischer Energieträger ein.
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Christian Bach sieht in «Power-to-X»-Technologien grosses Potenzial, um erneuerbare Energie langfristig speicher- und transportierbar zu machen. Foto: SPIN

«Power-to-X» steht für Technologien, mit denen erneuerbare Energie in transportier- und speicherbare synthetische Energieträger oder Rohstoffe für die chemische Industrie umgewandelt wird. Diese können in gasförmiger oder flüssiger Form fossile Treib- und Brennstoffe in der Mobilität und Industrie ablösen. Sie sind im grossen Umfang erforderlich, um die Netto-Null-Ziele des Bundesrats zu erreichen. Eine wachsende Anzahl von Akteuren – von Forschungseinrichtungen über Start-ups bis hin zur Politik – hat sich in den letzten Jahren verstärkt mit dem Potenzial von «Power-to-X»-Technologien auseinandergesetzt, so auch die Empa in ihrem Mobilitätsdemonstrator «move»

Was indes noch fehlt ist eine schweizweite Plattform, die die Interessen bündelt, den Austausch ermöglicht und Rahmenbedingungen diskutiert. Mit diesem Ziel vor Augen wurde im Mai 2021 das «Swiss Power-to-X Collaborative Innovation Network» (SPIN) gegründet, das von Nationalrat Martin Bäumle präsidiert wird. Die Empa ist eines der ersten Mitglieder des Netzwerks. «Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen alle Player zusammenspannen und sämtliche technologischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden», erklärt Empa-Direktionsmitglied Brigitte Buchmann den Beitritt zu SPIN. «Global betrachtet haben wir nämlich kein eigentliches Energieproblem, sondern die Herausforderung, erneuerbare Energie speicher- und transportierbar zu machen.»

«Power-to-X» zur Speicherung und zum Transport von Energie
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Der erste SPIN DAY wurde durch Bundesrätin Simonetta Sommaruga eröffnet. Foto: SPIN

Ein erster grosser Austausch mit rund 170 Akteurinnen und Akteuren aus Forschung, Wirtschaft, Verwaltung und Politik fand dazu am 23. Juni 2022 am ersten «SPIN DAY» im Innovationspark Dübendorf statt. Nach Grussworten von Bundesrätin Simonetta Sommaruga und der Zürcher Regierungsrätin Carmen Walker Späh sprach der Empa-Forscher Christian Bach über die Möglichkeiten von «Power-to-X» zur Speicherung und zum Transport von erneuerbarer Energie. «Handels- und Transportmechanismen für gasförmige und flüssige Energieträger sind aus der bisherigen fossilen Versorgung weltweit etabliert», sagte er. «Diese Infrastruktur lässt sich eins-zu-eins auch für synthetische Energieträger nutzen, um damit etwa Energie aus sonnenreichen Regionen in energieärmere Regionen zu transportieren. So kann die Energie dort 'geerntet' werden, wo sie im Überfluss anfällt.»

In dieser grossräumigen Verschiebung von Energie sieht Bach – neben der saisonalen inländischen Energiespeicherung – das grösste Potenzial von «Power-to-X»-Technologien. Zudem sieht er Möglichkeiten, die Technologie zu nutzen, um gar negative CO2-Emissionen zu generieren. Ein Ansatz besteht darin, der Atmosphäre Kohlenstoff in Form von CO2 für die Herstellung synthetischer Energieträger zu entnehmen und am Ende der chemischen Umwandlungsprozesse in Form von festem Kohlenstoff abzuspalten. Der feste Kohlenstoff gelangt so nicht mehr als CO2 in die Atmosphäre, sondern kann beispielsweise in Baumaterialien genutzt werden. Dadurch sinkt also insgesamt der CO2-Gehalt der Atmosphäre.

Wegweisende Deklaration
Neben Referaten und Workshops bot der «SPIN DAY» auch viel Gelegenheiten zum Austausch zwischen den unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren. Als erstes konkretes Resultat einigten sich die Anwesenden gemeinsam auf die «Power-to-X Deklaration von Dübendorf», ein Aufruf an Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit zur Förderung und Etablierung von «Power-to-X»-Technologien.