Langjährige Schadstoffmessung auf dem Jungfraujoch

Luftfremdstoffen auf der Spur

22.10.2012 | MARTINA PETER
Seit 40 Jahren misst die Empa im Sphinx-Observatorium auf dem Jungfraujoch Luftschadstoffe und hilft damit, die Luftqualität europaweit zu bestimmen und zu verbessern. Denn was auf dem Jungfraujoch detektiert wird, stammt aus weltweit verteilten Quellen. Mit Hilfe von Wettermodellen lässt sich der Reiseweg der Schadstoffe errechnen – und damit ihre Herkunft. Die vor 40 Jahren begonnene Messreihe gehört zu den längsten in Europa und ist für Forschende in aller Welt von unschätzbarem Wert.
/documents/56164/266851/a592-2012-10-22-b0x+stopper+Jungfraujoch.jpg/02ea389c-5db5-4843-8033-4ff1e6f18a48?t=1448304335647
 
Die permanente Ausstellung auf dem Jungfraujoch informiert mit Schautafeln und Videos über die Arbeit der Forscherinnen und Forscher.
 
Die Forschungsstation auf dem Jungfraujoch wurde 1931 auf 3571 Meter Höhe eröffnet – zunächst als astronomisches Observatorium und Labor für Höhenkrankheiten. Das Sphinx-Observatorium, benannt nach der Felsspitze, auf der es sitzt, folgte 1937 – also vor genau 75 Jahren. Heute arbeiten jährlich mehr als zwei Dutzend internationale wissenschaftliche Gruppen in dem Forschungszentrum. 20 automatische Messapparaturen sind ständig in Betrieb und überwachen Wetter, Strahlungs- und Atmosphärendaten.
 
Die Arbeit der Empa auf dem Jungfraujoch
Seit 1972 sind auch Empa-Forschende regelmässig im Observatorium an der Arbeit. Auf dem Jungfraujoch untersuchen sie, wie anthropogener Aktivitäten die Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflussen. Einerseits langfristig, um Aufschluss über die Wirkung der eingeleiteten Reduktionsmassnahmen zu erhalten, andererseits saisonal, um chemische und physikalische Prozesse in der Atmosphäre besser zu verstehen. Die gezielte Kombination langjähriger und kontinuierlicher Messreihen mit meteorologischen Modellen ermöglicht Rückschlüsse auf die Quellregionen und Emissionen von Schadstoffen, unabhängig von den Selbst-Deklarationen einzelner Länder.
 
Die Analysen auf dem Jungfraujoch liefern auch wichtige Hinweise zu kurzfristigen Ereignissen, zum Beispiel die erhöhten Schadstoffkonzentrationen über der Schweiz, die im April 2010 durch den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull verursacht worden waren. Neben den Messungen ist es den Forschenden auch wichtig, die Analysegeräte kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern, damit sich die über einen langen Zeitraum gesammelten, kleinsten Konzentrationen von Spurengasen präzise und vergleichbar bestimmen lassen.
 

 
40 Jahre Schwefeldioxidmessungen auf dem Jungfraujoch (Monatsmittelwerte). Es ist gut ersichtlich, wie die Reduktion von Schwefel in Brenn- und Treibstoffen auf die europäische Hintergrundmessung auf dem Jungfraujoch ausgewirkt hat.
 

 
Aufgrund der einzigartigen Lage und des umfassenden Messprogramms spielt die Messstation Jungfraujoch eine wichtige Rolle in europäischen und globalen Messnetzen. Die Station ist eine von 28 Stationen im GAW-Programm («Global Atmosphere Watch») der «World Meteorological Organisation». Sie ist eine von nur wenigen Stationen weltweit, die im AGAGE-Programm («Advanced Global Atmospheric Gases Experiment») kontinuierlich mehrere Dutzend halogenierte Kohlenwasserstoffe misst. Solch langen Zeitreihen an extremen Standorten bilden eine unerlässliche Grundlage, um internationale Vereinbarungen und Protokolle wie das Montréal- oder das Kyoto-Protokoll umzusetzen und unabhängig zu validieren.
 
Permanente Ausstellung auf dem Jungfraujoch
Anlässlich des 100. «Geburtstags» der Jungfraujochbahn, die im August 1912 ihren Betrieb aufnahm, dokumentiert seit April 2012 eine permanente Ausstellung mit Schautafeln und Videoinstallationen die Forschungsarbeit. Die Forschungsstation auf dem Jungfraujoch ist die weltweit am höchsten gelegene, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.
 
 
 

Literaturhinweis
HALCLIM-4-Schlussbericht, Aug. 2012: Kontinuierliche Messung von Nicht-CO2-Treibhausgasen auf dem Jungfraujoch, S. Reimann, M.K. Vollmer, D. Brunner, M. Steinbacher, M. Hill, A. Wenger, C. Keller, B. Buchmann, unterstützt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) Link