10 Jahre Zusammenarbeit Schweiz–Kolumbien

Von umweltfreundlichen Produktionsverfahren über «grüne» Kredite zu Bioenergie- und e-Waste-Recycling-Projekten

04.09.2007 | REMIGIUS NIDERÖST

Eine erfreuliche Zwischenbilanz des technischen Zusammenarbeitsprogramms zwischen der Schweiz und Kolumbien zogen Vertreter beider Länder an einem Festakt am 15. August in Medellin anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Partnerschaft. Das Staatsekretariat für Wirtschaft SECO hat die Empa beauftragt, Kolumbien für zwei weitere Jahre bei der Realisierung von Klimaschutzprojekten zu unterstützen und ausserdem die Möglichkeiten des Recyclings von Elektronikschrott in Bogota und Medellin abzuklären.

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Legende: Carlos Arango, CNPMLTA, Xaver Edelmann, Empa, Heinz Böni, Empa, und Jörg Al. Reding, SECO (v.l.n.r) freuen sich über die erfreuliche Zwischenbilanz des technischen Zusammenarbeitsprogramms zwischen der Schweiz und Kolumbien.

Sichtbarstes Resultat des «Cleaner Production Programm» bildet das Umwelttechnologiezentrum «Centro Nacional de Producción Más Limpia y Tecnologías Ambientales de Colombia» in Medellin, welches von einer aus Industrie, Akademie und Verwaltung zusammengesetzten Körperschaft mit über 30 Mitgliedern getragen wird. Das Zentrum hat in den letzten neun Jahren mit internationaler Unterstützung und seinen aktuell rund 25 Angestellten knapp 900 Unternehmungen in ressourceneffizienter Produktion beraten, über 100 Publikationen herausgegeben und in knapp 400 Kursen in nachhaltigen Produktionstechnologien mehr als 10'000 Teilnehmer erreicht. Das Zentrum, das heute durch den Verkauf von Dienstleistungen zu 100% eigenfinanziert ist, ist inzwischen in weiteren 11 lateinamerikanischen Ländern tätig. Grosse Erfolge konnten auch mit der von SECO mitfinanzierten und über lokale Banken betriebenen grünen Kreditlinie erzielt werden. Dieses Finanzierungsinstrument fördert den Einsatz umweltfreundlicher Technologien in der kolumbianischen Industrie durch Kreditvergünstigungen und Garantieabdeckungen bei einer wesentlichen Reduktion der Umweltbelastung.


10 Jahre «Capacity Building» der Empa mit stolzer Bilanz
Derartige «Success Stories» waren am Festakt in Medellin, an welchem rund 60 Vertreter aus Wirtschaft, Hochschule und Verwaltung teilnahmen – unter anderem Maria del Pilar Pardo, kolumbianische Vizeministerin für Umwelt, und Botschafter Jörg Al. Reding, Leiter Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des SECO –, etliche zu hören. Die Anfänge der Zusammenarbeit reichen bis ins Jahr 1995 zurück, als Vertreter der Empa um Xaver Edelmann mit ihren kolumbianischen Kollegen erstmals über den Aufbau eines Umwelttechnologiezentrums in Kolumbien diskutierten. Nachdem 1997 ein erstes Projektabkommen unter Dach und Fach war, beauftragte das damalige Bundesamt für Aussenwirtschaft BAWI (heute SECO) die Empa ein Jahr später mit der Durchführung eines technischen Zusammenarbeitsprogramms und stellte rund 5 Millionen Franken zur Verfügung.
Ein Meilenstein war im Jahre 2005 die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung («Memorandum of Understanding») zwischen der Empa und der Universität von Antioquia. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden in den letzten Jahren verschiedene Diplom- und Dissertationsprojekte durchgeführt. Das Abkommen wurde inzwischen erneuert und in einen Zusammenarbeitsvertrag überführt. Die Universität von Antioquia gilt aufgrund einer Untersuchung der kolumbianischen Wissenschaftsförderungsinstitution «Colciencias» als führende Universität Kolumbiens.
Als weiteres Highlight gilt das von der Empa und der regionalen Umweltverwaltung «CORNARE» im Jahr 2001 im Auftrag der «International Tropical Timber Organization» (ITTO) initiierte Projekt zur Entwicklung von Finanzierungsmodellen für nachhaltige Tropenwaldbewirtschaftung in der Region Rio Negro, das durch die Schweiz, die USA und Japan gemeinsam finanziert wird. Im Anschluss an den Festakt besuchten Botschafter Reding, Vertreter der Schweizer Botschaft und der Präsident der Schweizerisch-Kolumbianischen Handelskammer, Peter Welther, das Projekt vor Ort. Dabei geht es darum, nachhaltige Bewirtschaftungsmassnahmen nach den Regeln der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen («United Nations Framework Convention on Climate Change» UNFCCC) einzuführen. Die Ressourcen schonende Bewirtschaftung des tropischen Regenwalds liefert so genannte «Emissionsreduktionszertifikate», welche an den «Bio Carbon Fund» der Weltbank verkauft werden können. Zusätzlich wurden der Verkauf von Produkten der Waldbewirtschaftung gefördert und Zertifikate für Umweltleistungen ausgestellt. Das Projekt gilt inzwischen als «Modellfall», um der Landbevölkerung alternative Einkommensquellen aufzuzeigen und damit die Landflucht zu bekämpfen und zur Friedenssicherung beizutragen.


Neue Phase der Zusammenarbeit läuft an
Nach zehn erfolgreichen Jahren tritt die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern nun in eine neue Phase; auf dem Gebiet der Bioenergie und des Klimaschutzes sowie dem Recycling elektrischer und elektronischer Abfälle (e-Waste) werden mit Unterstützung des SECO verschiedene Projekte lanciert. Zudem laufen im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Universität von Antioquia mehrere Forschungsarbeiten an. «Der zukünftige Schwerpunkt in der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Kolumbien liegt in der Förderung nachhaltiger Produktzyklen für Bioenergie und für elektronische Güter mit dem Ziel, die Ressourcenproduktivität zu erhöhen und die Materialkreisläufe zu schliessen», erklärt Xaver Edelmann.

Fachliche Informationen
Heinz Böni, Technologie & Gesellschaft, Tel. +41 71 274 78 58,


Redaktion
Dr. Michael Hagmann, Kommunikation, Tel. +41 44 823 45 92,