«Venture 2008»-Preis für Optotune

Mit künstlichen Muskeln zum Sieg im Businessplanwettbewerb

15.05.2008 | MICHAEL HAGMANN
Am vergangenen Mittwoch wurden an der ETH Zürich die zehn besten Businesspläne von Jungunternehmen im Rahmen der sechsten Ausgabe des «Venture»-Wettbewerbs gekürt. Gewinner des diesjährigen Venture-Preises im Wert von 60'000 Franken ist die aus der ETH Zürich hervorgegangene Spin-off-Firma Optotune, die Anfang Jahr im neuen Business Inkubator der Empa in Dübendorf eingezogen ist. Dort entwickelt sie mit der Empa optische Systeme, die mit Hilfe so genannter elektroaktiver Polymere (EAP) – «künstliche Muskeln» – die Brechkraft einer Linse stufenlos variieren lassen, ähnlich wie das menschliche Auge.
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Legende: Durch Anlegen einer elektrischen Spannung kann die Brechkraft einer optischen Linse – und damit deren Vergrösserung – stufenlos variiert werden. Links ohne Spannung, rechts mit angelegter Spannung. (Bild: Optotune) ......durch Klick auf Bild erscheint das Doppelbild

 

Bereits im Januar gehörten Manuel Aschwanden und sein Optotune-Team zu den zehn Gewinnern der ersten Phase von «Venture 2008», einer 1998 von der ETH Zürich und der Beratungsfirma McKinsey & Company ins Leben gerufenen Initiative zur Förderung viel versprechender Geschäftsideen und Businesspläne. Mit 2’500 Franken honorierte die Jury damals die Geschäftsidee von Optotune, neuartige optische Systeme für Mikroskope, Foto- oder Videokameras und insbesondere für Handys zu entwickeln.

In der zweiten Phase ging es nun darum, einen vollständigen Businessplan auszuarbeiten und diesen wiederum vor einer Fachjury zu präsentieren. Vergangene Woche wurden an der ETH Zürich unter den 101 eingegangenen «Bewerbungen» – ein neuer Rekord in der zehnjährigen Geschichte von «Venture» – die zehn besten Businesspläne mit insgesamt 150’000 Franken prämiert. Die Siegerprämie von 60’000 Franken ging dabei an Aschwandens Optotune-Team. «Wir waren schon extrem glücklich, unter den ersten fünf zu sein», so Aschwanden, der das Preisgeld vor allem in neue Produktionsanlagen und Materialien investieren will. Sein Ziel ist es, mit Hilfe der revolutionären Technik eine «wachstumsorientierte Firma auf die Beine zu stellen, die in der Schweiz möglichst viele Arbeitsplätze schafft.»

 

Kompaktes und preiswertes Zoom dank «künstlicher Muskeln»

Optische Geräte wie Mikroskope oder Foto- und Videokameras beherbergen meist ein kompliziertes System aus mehreren starren Linsen mit fixer Lichtbrechung. Um die Vergrösserung zu verändern – zu zoomen –, sind komplizierte und daher teure Positionierungsmechanismen notwendig. Aschwanden und sein Kollege David Niederer entwickelten in der Nanotechnology Group der ETH Zürich unter Leitung von Andreas Stemmer eine verformbare Linse, die ihre Brechkraft stufenlos variieren kann. Der Trick dabei: Wird eine elektrische Spannung an eine EAP-Linse gelegt, verändert sich deren Krümmung und dadurch die Brechkraft.

 
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Siegerteam des Venture-Wettbewerbs 2008: (v.r.n.l.) Manuel Aschwanden, David Niederer, Mark Blum, Peter Vonesch vom ETH-Spin-off Optotune, das seit Anfang 2008 im Empa Business Inkubator in Dübendorf zu Hause ist. (Bild: Venture)
 

Anfang 2008 sind Aschwanden und seine Kollegen mit ihrer Spin-off-Firma Optotune in den neuen Business Inkubator der Empa nach Dübendorf umgezogen, wo sie zusammen mit dem Team von Giovanni Terrasi, Leiter der Abteilung «Mechanical Systems Engineering», die EAP-Technologie für optische Systeme weiterentwickeln. Anwendungen für die innovative Steuerung optischer Systeme gibt es laut Aschwanden zur Genüge, etwa für ultradünne Handys mit eingebautem optischem Zoom oder für Mikroskope mit nur einem einzigen, dafür aber variablen Objektiv. Und auch Foto- und Videokameras liessen sich durch die neue Technologie deutlich kompakter und kostengünstiger herstellen.


Vorbildfunktion für Forscher und Ingenieure, die eine eigene Firma gründen wollen

Neben der Unterstützung seitens der Empa erhält die Jungfirma seit Anfang 2008 auch von der Förderagentur für Innovation KTI Fördergelder. Und nun hat sie durch ihren hervorragenden Businessplan gleich selbst Geld in die Kasse gespült.

 

Dass gleich einer der ersten «Mieter» im neuen Business Incubator einen derart prestigeträchtigen Jungunternehmerpreis gewonnen hat, freut natürlich auch dessen Leiter Mario Jenni. «Durch den Gewinn des Venture-Wettbewerbs durch Optotune liegt die Latte für Start-ups nun entsprechend hoch», sagt er – und hofft, dass das Optotune-Beispiel Schule macht und weitere Forscherinnen und Forscher anspornt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und ihr eigenes Unternehmen am Empa Business Inkubator zu gründen.

 

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Redaktion:

 
 
 
Venture – Von der Geschäftsidee über den Businessplan zur Firmengründung
Der von der ETH Zürich und McKinsey & Company initiierte und von zahlreichen Schweizer Unternehmen getragene Wettbewerb wird 2008 bereits zum sechsten Mal durchgeführt. Angehende Jungunternehmen müssen dabei eine Jury aus rund 80 Personen – bestehend aus Unternehmern und Risikokapitalgebern («Venture Capitalists») – von ihren Geschäftsideen und Businessplänen überzeugen. Das Preisgeld beträgt insgesamt 150'000 Franken, wobei die zehn besten Geschäftsideen in einer ersten Phase mit jeweils 2'500 Franken und der beste Businessplan in der zweiten Phase mit 60'000 Franken ausgezeichnet werden. Insgesamt sind seit 1998 mehr als 170 Firmenneugründungen mit heute rund 1’700 Arbeitsplätzen aus dem Businesswettbewerb hervorgegangen. Weitere Informationen unter: www.venture.ch