Jungunternehmerpreis für Empa-Spinoff «compliant concept»

Neues Pflegebett überzeugt Jury

Nov 25, 2009 | MARTINA PETER
Grosse Anerkennung für das Team des Empa-Spinoff «compliant concept»: Die Jury des Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreises hat das Spezialbett für die Pflege bettlägeriger Patienten als ein Projekt mit hohem Innovationsgrad ausgezeichnet. Die Wissenschaftler um Michael Sauter erhalten 150’000 Franken «Starthilfe» für ihr Unternehmen.
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Legende: Die aktiv verformbare Lattenroststruktur sorgt dafür, den bettlägerigen PflegepatientInnen schmerzhafte und schwierig zu behandelnde Druckgeschwüre (Dekubitus) zu ersparen.
 
Mit rund 150 anderen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern aus der ganzen Deutschschweiz hatte sich «compliant concept» für den Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis beworben. Als «Etappenziel» qualifizierte sich das Team um Michael Sauter dann mit fünf weiteren Konkurrenten für die Finalrunde und wurde am 24. November schliesslich mit zwei anderen Gewinnern zum Sieger ausgerufen. Das Team erhält 150'000 Franken Preisgeld sowie eine kostenlose Coaching-Begleitung während drei Jahren. «Wir freuen uns sehr. Der Preis und die Anerkennung kommen im besten Moment und sind nicht nur für mich und mein Team sehr motivierend, sondern auch für unsere zahlreichen Partner aus Medizin, Industrie und Forschung», kommentiert Michael Sauter, CEO der erfolgreichen Jungfirma.
 
Kontinuierliches Umlagern von PflegepatientInnen
Überflügelt haben sie die Konkurrenz mit einem neuartigen, flexiblen Pflegebett, das Patientinnen und Patienten in Spitälern und Pflegeeinrichtungen vor dem gefürchteten Dekubitus bewahrt. Diese Druckstellen, die sich zu regelrechten Geschwüren auswachsen können, verursachen starke Schmerzen; allein in der Schweiz werden die Behandlungskosten auf jährlich 600 Millionen Franken geschätzt. Die meisten Fälle sind vermeidbar, allerdings ist diese Prävention eine der grössten Belastungen für das Pflegepersonal, das die bettlägerigen Personen kontinuierlich umlagern muss.
 

 
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  Träger aus «intelligenten» flexiblen Materialien lagern Bettlägerige in ihren Betten so um, wie es den Bewegungen von Gesunden entspricht.
 

 
Auf dem Markt sind bereits Spezialbetten und Matratzen für die Behandlung von Dekubituspatienten vorhanden, beispielsweise Betten mit einem Luftkammersystem, das dafür sorgt, dass schmerzhafte Druckstellen durch regelmässiges Auf- und Abpumpen entlastet werden. Sie bringen aber grossen Betreuungsaufwand für das Personal mit sich und sind zudem äusserst kostspielig.
 
Flexible Werkstoffe machen Produktion günstig
Hier setzt das neue Pflegebett-Konzept von «compliant concept» an: Ein spezieller Lattenrost aus «intelligenten» Werkstoffen und eine neue Matratze sorgen dafür, dass Bettlägerige nicht unbeweglich in derselben Position im Bett verharren, sondern sanft und beständig umgelagert werden. Dabei imitiert die Spezialkonstruktion aus neuem, flexiblem Material die Bewegungen gesunder, mobiler Menschen. Das kommt einerseits den PatientInnen zu Gute, deren Aktivitäten so stimuliert werden. Zugleich wird die körperliche Belastung des Pflegepersonals reduziert, das sich intensiver auf das Mobilitätstraining konzentrieren kann. Das neuartige Konzept von «compliant concept» setzt auf eine Technologie der gelenklosen Mechanismen und auf ein Bettauflagesystem, das mit wenigen Einzelteilen und vor allem ohne wartungsaufwändige Mechanik auskommt. Deshalb kann es relativ günstig produziert werden.
 

 
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  Auf eine erfolgreiche Zukunft: Das Gewinner-Team «compliant concept» Gion Barandun, Michael Sauter und Gisbert Dörr (v. l.) freuen sich über den erhaltenen Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis. (Bild: Imre Mesterhazy)
 

 
Das junge Unternehmen ist ein Spinoff der Empa und der ETH Zürich, herausgewachsen aus der Empa-Abteilung «Mechanics for Modelling and Simulation» und der Gruppe «Smart Materials and Structures». Sein Ziel ist es, neue Technologien zu entwickeln, die den Alltag erleichtern. Schon jetzt bestehen Partnerschaften mit zahlreichen Industriepartnern: OBA AG, Festo AG, Composites Busch SA, Nauer AG, Bigla Care, Sarna Plastec AG, Produ-Plast AG, Qualicut AG und dem Paraplegiker-Zentrum Nottwil sowie der Hochschule für Technik Rapperswil. Seinen Sitz hat das Jungunternehmen auf dem Empa-Areal in Dübendorf im Technologiepark glatec.
 
 
 

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Redaktion / Medienkontakte

 
Der Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis 2009
Zum vierten Mal vergab der Winterthurer Immobilienunternehmer Robert Heuberger in Zusammenarbeit mit der Standortförderung Region Winterthur den Heuberger Winterthur Jungunternehmerpreis. Preisstifter ist die Robert und Ruth Heuberger Stiftung. Mit einem Preisgeld von total 450’000 Franken, das sich drei Jungunternehmen teilen, ist er einer der bedeutendsten Jungunternehmerpreise der Schweiz. Prämiert werden Geschäftsideen, Produkte oder Dienstleistungen mit einem hohen Innovationsgrad und Wachstumspotenzial.
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