Holz verklebt Holz bei Kunst- und Kulturgütern

Ist etwas kaputt, so wird es geklebt! So einfach, wie es im Alltag für jedes erdenkliche Material machbar ist und der Markt dazu so viele verschiedene Klebstoffe anbietet, so einfach ist es bei Kunst- und Kulturgütern aus Holz nicht. Unzählige Holzskulpturen, Tafelgemälde oder Altäre in Kirchen und Schlössern weltweit zeigen auf Grund ihres hohen Alters und den nicht immer idealen Lagerbedingungen Risse und Brüche, die geklebt werden müssen und restauratorische Massnahmen werden notwendig. Dann sind Klebstoffe gefragt, die den Grundsätzen der Restaurierungsethik folgen, d.h. reversibel, stabil und rein sind, hohe Substrataffinität aufweisen, unsichtbar jedoch als spätere Zutat erkennbar bleiben und nicht zu stark oder zu schwach kleben. Gängige, bisweilen genutzte Klebstoffe aus natürlichen Rohstoffen oder industriellen Quellen sind nicht in allen Belangen dafür brauchbar und können sogar zu weiteren Schäden führen. Ein Grund dafür ist oft der Materialunterschied des Klebstoffes zum Holz des Kulturgutes.

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Brandmalerei auf Linde mit durchgängigem Bruch und rechts einem Riss längs zur Faser; Fragment, Künstler und Datierung ubk., vermutlich 19. Jh.; befindet sich zurzeit an der Hochschule der Künste Bern. Masse: 30 x 30 cm. Foto: Karolina Soppa.

Holz verklebt Holz – dies ist die Idee, die zu optimalen Klebstoffen für die Restaurierung von Holzartefakten führen soll. Cellulose-Strukturen, über chemische Kräfte zu Fibrillen und Fasern organisiert, sind das stabile Grundgerüst eines jeden Baumes und jeder Pflanze. Das Ziel des Projektes ist die Entwicklung, Optimierung und gezielte Nutzung genau dieser Cellulose-Strukturen als wässrige Klebstoff-Suspensionen für Verklebungen von Holzartefakten. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt: Restauratoren der Hochschule der Künste Bern sowie Wissenschaftler der Abteilung Cellulose & Wood Materials der Empa bündeln dabei ihre Kompetenzen und nutzen Synergien.

Der Erhalt der von Kunst- und Kulturgütern geniesst nicht nur in der Schweiz einen hohen Stellenwert. Archäologische Fundstellen und Funde sowie historische Denkmäler und Artefakte sind Teil unserer kulturellen Identität und unserer Heimat. Diese historischen Kulturgüter sind Umwelteinflüssen ausgesetzt und benötigen eine intensive Pflege und nachhaltige Restaurierung. Das Projekt leistet, einen nachhaltigen Beitrag für den Erhalt, die Pflege, die Dokumentation, die Erforschung und Restaurierung archäologischer und historischer Kunst- und Kulturgüter. Zudem ist es Ziel, einerseits die Eingriffe an Objekten langlebiger zu machen, andererseits soll es im Fall einer erneuten Restaurierung möglich sein, das Hinzugefügte ohne originalen Materialverlust abzunehmen. Darüber hinaus soll ein umweltverträglicheres Material entstehen, mit einem geringeren Einsatz an gesundheitsgefährdenden Materialien für den Konservator-Restaurator.

Das Projekt der Empa "Cellulose & Wood Materials" ist Anfang 2019 gestartet und wird grosszügig von der Gebert Rüf Stiftung unterstützt.

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"Kompetenzen und Synergien verschiedener Forschungsdisziplinen nutzen, ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Materialentwicklung."

Dr. Thomas Geiger, Cellulose & Wood Materials

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