St. Galler Stadtrat zu Besuch bei der Empa an deren Ostschweizer Standort

«Wir sind stolz auf die Empa»

18 févr. 2008 | MICHAEL HAGMANN
Empa-Direktor Louis Schlapbach durfte am Donnerstag den Stadtrat von St. Gallen unter Leitung des Präsidenten Thomas Scheitlin an der Lerchenfeldstrasse begrüssen. Die Exekutivbehörde der Gallusstadt pflegt mit den ortsansässigen Firmen und Institutionen regelmässig Kontakte.
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Legende: Linda Thöny (links) mit einem Stück Bio-Plastik, der im Bioreaktor im Bildhintergrund produziert wurde.

 

Empa-Direktor Louis Schlapbach war vor fünf Jahren vom ETH-Rat mit der Aufgabe betraut worden, die Empa vermehrt wissenschaftlich auszurichten und die Aktivitäten auf die Erforschung neuer Materialien und Systemen zu fokussieren. Dem Stadtrat konnte er die Empa als moderne, leistungsfähige Forschungsinstitution präsentieren, die eine Brückenfunktion zwischen Materialforschung und praktischer Umsetzung, zwischen Wissenschaft und Industrie wahrnimmt. Verschiedene Untersuchungen sowie das positive Echo seitens der Industrie zeigten, so Schlapbach, dass die Empa einer der wichtigsten Forschungs- und Entwicklungspartner für hiesige Unternehmen sei. Aber auch wissenschaftlich habe die Empa gewaltige Fortschritte gemacht. So sei etwa die Anzahl wissenschaftlicher Publikationen – ein gebräuchlicher «Gradmesser» für Forschungsinstitutionen – von 67 im Jahre 2001 auf 371 im vergangenen Jahr angestiegen. Dies lasse sich im Vergleich mit den anderen Institutionen des ETH-Bereichs durchaus sehen, so Schlapbach nicht ohne Stolz.

 

Das regionale Technologiezentrum tebo – ein Hort für Jungunternehmer

Die Industrienähe der Empa illustriert auch das 1997 von Empa-Direktionsmitglied Xaver Edelmann ins Leben gerufene Technologiezentrum der Euregio Bodensee (tebo). Es bietet jungen Unternehmen, Spin-offs oder KMUs Räumlichkeiten im Umfeld der Empa und berät diese bei der Firmengründung. Die Unternehmen profitieren von der Nähe zu den Forschenden und können die Laborinfrastruktur der Empa nutzen. Aktuell beherbergt das tebo, das unter anderem auch von der Stadt St. Gallen finanziell unterstützt wird, 20 Firmen mit insgesamt 58 Arbeitsplätzen.

Beispielsweise die Firma Powerprotec AG, welche Halteseile für die Räder von Formel-1-Boliden herstellt. Die Seile halten bei einem Unfall abgefallene Räder zurück und vermeiden so, dass diese weiteren Schaden anrichten. Die Powerprotec-Technologie soll in Zukunft auch bei Lawinenverbauungen und anderen Anwendung zum Einsatz kommen. Als zweites Beispiel stellte Xaver Edelmann den Spin-off Empa Testmaterials AG vor, der 2002 gegründet wurde und heute 21 Mitarbeitende beschäftigt. Die Firma ist spezialisiert auf die Herstellung von Testmaterialien für Waschmaschinen und Waschmittel.

 

Viel beachtete Studie über biogene Treibstoffe

Der Empa-Forscher Marcel Gauch präsentierte dem Stadtrat die im Auftrag verschiedener Bundesämter erstellte Studie über Biotreibstoffe. Demnach ist es durchaus sinnvoll, aus biologischen Abfällen und Reststoffen «biogene» Energie zu gewinnen, statt sie nur zu verbrennen. Grosse Fragezeichen macht der Empa-Forscher jedoch bei der «Umnutzung» von Nahrungsmitten als Treibstoffquelle. Dies könne zur Verknappung von Nahrungsmitteln führen; selbst bei uns hat sich der Weizenpreis in letzter Zeit verdoppelt. Als Alternative stellte Gauch einen Vergleich mit der Sonnenergie an: Um 50 Autos je 15'000 Kilometer weit fahren zu lassen, müssten auf einer Fläche von neun Fussballfeldern energiereiche Pflanzen angebaut werden. Würden auf der gleichen Fläche nur zur Hälfte Sonnenkollektoren aufgebaut, während die andere Hälfte für den technischen Unterhalt und als Schafweide zur Verfügung stünde, könnten 3’000 Autos mit der gleichen Fahrleistung betrieben werden.

 

Forschungs-Highlights beim Rundgang durch die Labors

Auf einem Rundgang erläuterte schliesslich Harald Krug die neuesten Forschungsergebnisse auf den Gebieten der Medizinaltechnik und der Nanosicherheitsforschung. Danach zeigte Manfred Heuberger, wie an der Empa Hightech-Fasern gesponnen und anschliessend mit den unterschiedlichsten Eigenschaften versehen werden, beispielsweise indem sie mittels Plasmatechnologie metallisch beschichtet und so funktionalisiert werden. René Rossi berichtete, wie er in einer St. Galler Firma textile Elektroden auf T-Shirts sticken lässt, um so in Zukunft die Herztätigkeit von Sportlern und Herzpatienten einfach überwachen zu können. Last but not least beeindruckte Linda Thöny den Stadtrat mit einem so genannten Bioreaktor. Darin produzieren Bakterien Bio-Polymere, die auch biologisch abbaubar sind. Dies könnte in Zukunft helfen, Abfallberge aus Plastik, z.B. Spitalabfall, kompostierbar zu machen.

«Wir sind stolz auf die Empa», meinte der sichtlich beeindruckte Stadtpräsident Thomas Scheitlin zum Schluss. Als Forschungsinstitution sei die Empa neben Universität, Fachhochschule und Kantonsspital eine wichtige Stütze in der Strategie des Stadtrates, in der Stadt St. Gallen technologisch fortschrittliche Firmen zu unterstützen oder neu anzusiedeln.

 

Fachliche Auskünfte:
Dr. Xaver Edelmann, Tel. +41 71 274 72 00, xaver.edelmann@empa.ch

Redaktion:
Urs Bünter, Kommunikation, Tel. +41 71 274 76 02, urs.buenter@empa.ch