«Twin Congress» zu nachhaltigem Umgang mit Ressourcen auf zwei Kontinenten

Konferenz macht sich zum Studienobjekt

2 sept. 2009 | BEATRICE HUBER
Für die Konferenz R’09 stellte sich die Herausforderung, international führende Köpfe zum Thema nachhaltiges Ressourcenmanagement zusammenbringen, ohne dabei die Umwelt allzu sehr zu belasten. Die Lösung: Die R’09 und das erstmals ausgetragene «World Resources Forum» (WRF) finden zeitgleich in Davos, im japanischen Nagoya sowie in Berlin statt – dank modernster Videotechnologie. Dadurch soll die Anzahl der Interkontinentalflüge reduziert werden. Eine Ökobilanzstudie wird im Nachgang klären, wie viel der Umwelt tatsächlich erspart geblieben ist.
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Legende: An der R’09 reichen die Themen von erneuerbaren Energien und Recyclingtechnologien über Ökobilanzen bis hin zu seltenen Metallen, die vor allem in der Elektronikindustrie eingesetzt werden. (Bildquelle: eawag)

 

In Davos dreht sich vom 14. bis 16. September alles um Energie- und Ressourceneffizienz. Hauptziel der zum 9. Mal stattfindenden Konferenz R’09 ist es, die Material- und Energieeffizienz von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen zu verbessern – und zwar in der Produktion, während der Nutzung, aber auch beim Recycling. Organisiert wird die Konferenz durch die Empa zusammen mit der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW), dem EcoTopia Science Institute der Universität Nagoya und dem Factor 10 Institute. Denkanstösse liefern in Davos unter anderem Dennis Meadows, Mitautor der «Club of Rome»-Studie «Die Grenzen des Wachstums» aus dem Jahr 1972, Ashok Khosla, Präsident des «Club of Rome» und der «International Union for Conservation of Nature» (IUCN), sowie Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Vorsitzender des Ressourcengremiums des UN-Umweltprogramms UNEP.

 

Die R'09 ist aber auch ein aussergewöhnliches Experiment – und erst noch eine Weltpremiere: Da sie gleichzeitig auf zwei Kontinenten stattfindet, die via Videotechnologie miteinander verbunden sind, können viele interkontinentale Flüge vermieden werden. Diese sind für den weitaus grössten Ressourcenverbrauch bei internationalen Kongressen verantwortlich, wie eine Ökobilanzstudie von Empa-Forschern um Lorenz Hilty zeigte. So waren an einer früheren Konferenz die 6 Prozent der Teilnehmenden, die via Interkontinentalflug anreisten, für 57 Prozent der gesamten Umweltauswirkungen verantwortlich.

 

«Wenn es bei der R’09 schon um Ressourcen geht, dann wollten wir auch eine ressourcenschonende Form des Kongresses etablieren», erklärt Hilty, Mitorganisator der Konferenz. Ob sich dies tatsächlich «auszahlt», soll eine Ökobilanzierung der Tagung zeigen, die voraussichtlich Ende Jahr vorliegen wird. Aufgrund früherer Analysen, so Hilty, sei aber durchaus mit einer Energieeinsparung beziehungsweise einer CO2-Einsparung von rund einem Drittel gegenüber einer Konferenz an nur einem Ort zu rechnen. Gleichzeitig werden Teile der Konferenz auch nach Berlin übertragen, wo eine Parallelveranstaltung des deutschen Umweltbundesamts stattfindet.

 

Konkrete Handlungsempfehlungen in Sachen Ressourcenverbrauch
Das «World Resources Forum» (WRF) ist ebenfalls eine Neuerung: Die Veranstaltung im Anschluss an die R’09 und ebenfalls mitorganisiert durch die Empa richtet sich an Politiker und Wissenschaftlerinnen, Unternehmer und Beraterinnen auf dem Gebiet des nachhaltigen Ressourcenmanagements. Das WRF ist eine unabhängige, internationale Diskussionsplattform, die sich intensiv mit Ressourcenverbrauch und Innovationen in der Ressourcenproduktivität auseinandersetzt, und auf der die Bedeutung des globalen Umgangs mit natürlichen Ressourcen im Wirtschafts-, Ingenieur- und Naturwissenschaftskreisen analysiert, hinterfragt und diskutiert wird. Ziel ist es, Wirtschaftsformen zu benennen, die Ressourcenverbrauch und
-produktivität in ihren Fokus einbeziehen.

 
Das WRF verfolgt politische Ziele – nämlich Entscheidungsträgern realistische Optionen beziehungsweise Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Entwicklung an die Hand zu geben. Themen, die am WRF zur Sprache kommen, sind unter anderem neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen einen grösseren Stellenwert einräumen, sowie neuartige Finanzierungsmodelle. Zudem erarbeiten die Expertinnen und Experten am WRF eine Deklaration – einen «Call for Action» –, der die Politik darauf aufmerksam machen soll, dass wir uns neben dem Klimaproblem auch mit einem generellen Ressourcenproblem konfrontiert sehen. Dieses macht es – je länger, je mehr – erforderlich, politische Entscheidungen zugunsten eines nachhaltigen Wachstums zu treffen.
 
Die R’09 befasst sich mit Themenfelder, auf denen die Empa zu den weltweit führenden Forschungsinstitutionen zählt. Dazu gehören erneuerbare Energien sowie innovative Wiederverwertungs- und Recyclingtechnologien, aber auch Lebenszyklusanalysen beziehungsweise Ökobilanzen oder seltene Metalle, die vor allem in der Elektronikindustrie eingesetzt werden. Oft lohnt sich ein Recycling dieser Elemente nicht. Dies könnte sich jedoch ändern, sobald die natürlichen Vorräte weniger zugänglich werden. Eine der Mitorganisatorinnen der Konferenz, die SATW, erarbeitet zu diesem Thema aktuell eine Schrift, die bis Ende Jahr erscheinen soll. Ein weiteres Thema der R’09 sind nachhaltige Lösungen zum Problem des weltweit wachsenden Bergs an Elektro- und Elektronikschrott («e-Waste»).
 
Detaillierte Informationen zu den beiden Veranstaltungen finden Sie unter www.r2009.org beziehungsweise unter www.worldresourcesforum.org
 

 

«Grüne» Nutzung modernster Informations- und Kommunikationstechnologien
Wie sich moderne Informations- und Kommunikationstechnologien einsetzen lassen, um Ressourcen zu schonen, demonstriert der Kongress vor Ort durch modernste Videotechnologie gleich selbst. Die Auditorien in Davos und in Nagoya verschmelzen «virtuell» zu einem Ort, und zwar in Full-HD-Qualität. Die Referentinnen und Referenten treten abwechselnd in Japan und der Schweiz «live» auf und können mit sämtlichen Teilnehmenden – egal an welchem Ort – interagieren, zum Beispiel nach dem Vortrag deren Fragen gleich beantworten. «Dadurch soll unter anderem das ‹Wir-Gefühl› unter den Kongressteilnehmern gestärkt werden», erklärt Hilty, auf dessen Idee das Ganze zurückgeht.

 

Ausserdem gibt es an beiden Konferenzorten noch je zwei «Cisco TelePresence Hot Spots» für spontane und informelle Videokommunikation in Lebensgrösse zwischen Davos und Nagoya – in der Lounge und im Kaffeebereich, jeweils mit Grossbildschirm, Mikros und Kameras. Ermöglicht wurde dies durch die beiden Technologiepartner Cisco und SWITCH: Cisco stellt das TelePresence Videosystem zur Verfügung. Die Datenübertragung erfolgt über das leistungsfähige Wissenschaftsnetz von SWITCH. Videokommunikation dieser Art ist dank der hervorragenden internationalen Zusammenarbeit von SWITCH mit anderen akademischen Netzen ohne aufwändige Zusatzinvestitionen möglich. Für die Konferenz musste lediglich eine kurze Glasfaserleitung zum nächstgelegenen Netzwerk-Knoten von SWITCH gelegt werden.

 
  Da die R’09 gleichzeitig auf zwei Kontinenten stattfindet, die via Videotechnologie miteinander verbunden sind, können viele interkontinentale Flüge vermieden werden. (Bildquelle: Cisco)
 

Und am WRF kann jeder und jede gar gänzlich virtuell (und daher noch umweltschonender) teilnehmen – über den von der Stiftung Mercator Schweiz initiierten «WRF Student Reporter»-Blog, der Anfang September online ging (www.worldresourcesforum.org/wrf-student-reporters). Zehn internationale Studierende «bloggen» live aus Davos und liefern Hintergrundberichte, Interviews und Impressionen direkt via Internet auf den PC.

 

 
 


 

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