«10. Fachtagung Betriebssanität hautnah» an der Empa in Dübendorf

Sportverletzungen, Wochenendblessuren & andere Missgeschicke

19 sept. 2006 | BEAT ASCHWANDEN
In einem spannenden Vortrag des bekannten Luzerner Sportmediziner Didi Schmidle und an verschiedenen Trainingsposten frischten 40 Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter aus der ganzen Schweiz ihr Wissen zu Themen wie «Erfahrungen mit Wochenendverletzungen im Betrieb», «Sportverletzungen oder der Tag danach» und «Verrenkungen grosser Gelenke» auf.
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Legende: In der Gruppe wird besprochen, wie dem Verletzten optimal geholfen werden kann.

 
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Renato Figi, Leiter des betrieblichen Rettungsdienstes Empa/Eawag und Cathleen Hoffmann erklären ihren Kollegen und Kolleginnen, was man bei Verstauchungen machen kann.
 

Renato Figi, Leiter des betrieblichen Rettungsdienstes von Empa und Eawag, zeigte sich erfreut, dass die Zukunft der Fachtagung, die seit zehn Jahren erfolgreich durchgeführt wird, gesichert sei. Eine entsprechende Vereinbarung mit der Empa-Direktion sei vor kurzem abgeschlossen worden.

Empa-Direktionsmitglied Peter Hofer liess es sich dann auch nicht nehmen, anlässlich dieser Übereinkunft und aufgrund der Wichtigkeit, welche er der Betriebssanität beimisst, einige Grussworte an die ZuhörerInnen zu richten. Er schlug eine Brücke von der Tätigkeit der Empa zu den thematisierten Sportverletzungen: «Der Riss im Tragseil der Schilthornbahn vor einigen Jahren, den die Empa untersuchte, war eine Gefahr für Skifahrer und andere Sportler.»

 
Zudem forsche die Empa intensiv an Materialien für Gesundheit und Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers. Zu guter Letzt kam er nochmals auf die Rolle der Betriebssanität zu sprechen: «Es ist wichtig, dass unsere Mitarbeitenden möglichst gesund sind und nach Verletzungen und Erkrankungen schnell wieder einsetzbar werden.»
 
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Für den Ernstfall vorbereitet: hautnah erlernen, was nach einem Unfall zu tun ist.
 

Am Tag danach!

Auf die unterschiedlichsten Sportverletzungen ging der bekannte Sportmediziner Didi Schmidle aus Luzern in seinem Vortrag ein. Ein Bild mit einer Szene aus einem Fussballspiel projizierend, meinte er: «Auf diesem Dia können wir mindestens drei mögliche Verletzungen erkennen.»

 

Er meinte damit verschiedene Frakturen, Blutungen, Sehnen- und Muskelrisse, welche häufig als Folge von Sportunfällen auftreten. Nach solchen Unfällen müsse immer auch an allfällige innere Verletzungen gedacht werden. Beispielsweise könnten bei einer Fraktur auch innere Blutungen, Rückenmarks- oder Nervenverletzungen verheerende Auswirkungen haben. Der Sportarzt plädierte dafür, nicht gegen, sondern mit der Natur zu arbeiten und die Behandlung auf die Geschichte des Patienten abzustützen, denn dieser kenne seinen Körper schliesslich am besten.

Häufig werden Sportverletzungen nicht unmittelbar behandelt, da die Schmerzen erst am Folgetag – also beispielsweise am Montag – unerträglich werden. Aus diesem Grund müssen sich auch Betriebssanitäter mit dem Thema auseinandersetzen und sich im Umgang mit derartigen Verletzungen sicher fühlen. Umso mehr, weil die Zahl der sport- und spielbedingten Unfälle in der Schweiz seit Jahren zunimmt; im Jahr 2004 zählte man 157 000 Fälle.

 
Den ganzen Tag über wurden danach in Workshops auf dem gesamten Empa-Areal die unterschiedlichsten Gesundheitsprobleme anhand von interaktiven Schulungen und Rollenspielen durchexerziert. So wusste wohl manch einer nicht, dass Verletzungen wie Schnittwunden, Verstauchungen und Zerrungen am besten mit der «PECH-Regel» behandelt werden. Jürg Schächtelin, der einen dieser Posten leitete, erklärte, wofür das Kürzel PECH steht: «Das P steht für Pause oder nicht mehr bewegen, das E steht für Eisbeutelkühlung, das C für Compression und Verband und das H für Hochlagern.» Er erinnerte auch daran, bei starken Schmerzen oder Verdacht auf innere Verletzungen sofort einen Arzt aufzusuchen. An anderen Stationen wurden der richtige Umgang mit Schädelhirntraumata und bei Verrenkungen von Gelenken geübt. In Rollenspielen wurde etwa die Rettung eines Rückenverletzten mit einer Schaufeltrage und die Fixation auf einer Vakuummatratze trainiert.
 
Erst gegen Abend, nach einer gemeinsamen Schlussbesprechung, löste sich der Schwarm der rot-gelb gekleideten BetriebssanitäterInnen langsam auf. Renato Figi mag Recht haben, wenn er mit einem zufriedenen Lächeln feststellt: «Für einige Betriebssanitäterinnen und Betriebssanitäter ist diese Fachtagung der Höhepunkt des Weiterbildungsjahres.»
 

Autor:
Lukas Herzog, Abteilung Kommunikation, Tel. 044 823 48 76,

Kontakt:
Renato Figi, Leiter betrieblicher Rettungsdienst, Tel. 044 823 43 31,