Empa-Wissenschaftler wird Titularprofessor in Schweden

Pendler zwischen der Schweiz und Schweden

20 mars 2006 | BEAT ASCHWANDEN

Die Universität in Uppsala, Schweden, ernannte Dr. Paul Brühwiler, Physiker an der Empa am Standort St. Gallen, zum «Adjunct Professor in Advanced Spectroscopy for Materials Characterization».

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Legende: Paul Brühwiler legt auch bei den eigenen sportlichen Aktivitäten Wert auf eine gute Schutzausrüstung und trägt deshalb beim Skifahren einen Helm

Paul Brühwilers Kontakte zur Universität Uppsala reichen auf Beginn der Neunzigerjahre zurück. Von 1991 bis 2000 arbeitet er am dortigen Institut für Physik, danach, als das Institut für Physik aus dem alten Gebäude auszog, für ein Jahr am bekannten Ångström-Institut, das ebenfalls Teil der Universität Uppsala ist. Benannt ist es nach Anders Jonas Ångström und seinem Sohn Knut, beides weltbekannte Physiker, die im 19. und 20. Jahrhundert an der Universität gelehrt und geforscht hatten. Der ältere Ångström gilt als ein Vater der modernen Spektroskopie; nach ihm ist denn auch das Mass für die Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung benannt.

Für das Ångström-Institut ist der Name Programm. Heute noch ist Spektroskopie dort ein wichtiges Thema, unter anderem zur Materialcharakterisierung. Auch Paul Brühwiler arbeitete in seiner Zeit in Schweden an vielen interessanten Projekten im Bereich der Oberflächen-, Cluster- und Fullerenphysik. Danach blieb das Band nach Skandinavien erhalten und wird mit der Titularprofessur nun sogar wieder verstärkt.

Mindestens zwei Wochen pro Jahr wird Paul Brühwiler künftig in Uppsala verbringen. «Damit kann ich mein Schwedisch up-to-date halten», scherzt er. Nicht nur – das Ångström-Institut wie auch die Empa erhoffen sich durch das Doppelengagement Synergien. Geplant ist eine langfristige, enge Zusammenarbeit. Bereits haben zwei Projekte mit dort ansässigen Forschern begonnen. Angenehmer Nebeneffekt: Mit der Titularprofessur sind kaum Vorlesungsverpflichtungen verbunden, die Tätigkeit in Schweden beschränkt sich fast ausschliesslich auf das Forschen. Während die Schweden vor allem die Anwendungs- und Industrienähe der Empa schätzen, möchte sich diese vor allem international noch stärker vernetzen.

«Im Prinzip machen wir in Schweden und in der Schweiz dasselbe: Wir verbessern Materialien, um wiederum den Produkten, die daraus entstehen, verbesserte Eigenschaften zu verleihen». An der Empa arbeitet Brühwiler in der Abteilung «Schutz und Physiologie» an der Verbesserung von Schutzausrüstungen wie Motorsporthelmen, auch solchen für die Formel 1. So zum Beispiel im EU-Projekt «Accident Prevention Options with Motorcycle Helmets (PROHELM)», bei dem er dem Management-Komitee vorsteht. «Der Professoren-Titel verschafft mir in diesen Gremien einen gewissen Respekt», meint Brühwiler augenzwinkernd. Aber eigentlich freue ihn am meisten, dass es ihm damit offen steht, Doktoranden zu betreuen.

Text: Rémy Nideröst