«Innovation Day» an der Empa für die Textilbranche

KMU erhalten Unterstützung durch die Wissenschaft

02.09.2008 | CORNELIA ZOGG
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben häufig zu knappe Ressourcen für eine eigene Entwicklungsabteilung, um innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Dabei gibt es in der Schweiz verschiedene Institutionen, die sie dabei unterstützen könnten, sei es finanziell oder in Forschung und Entwicklung. Mit dem «Innovation Day 2008» schufen SwissTexnet – das textile Innovationsnetzwerk der Schweiz – und die Empa hervorragende Kontaktmöglichkeiten zwischen Vertretern von Textilunternehmen und Exponenten der Innovationsförderung und der Forschung.
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Legende: Gold und Silber: Schmutz abweisende Beschichtung auf Kravatten als Beispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen einem KMU und der Empa.


Schweizer KMU müssen ihre innovativen Produkte meist neben dem laufenden Tagesgeschäft «erfinden» und auf den Markt bringen. Dabei erarbeiten die hiesigen Forschungsinstitutionen laufend neue Entwicklungen und Technologien, die nur darauf warten, in die Praxis umgesetzt zu werden. Um diesen Transferprozess zu unterstützen, wurde vor drei Jahren SwissTexnet gegründet, eine Plattform für die Schweizer Textilbranche, die auch kleinen Unternehmen die Chance bieten soll, am Innovationsgeschehen aktiv teilzuhaben.

 
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Markus Hess von der Firma unico swiss tex GmbH erklärte am «Innovation Day 2008» interessierten BesucherInnen die zusammen mit der Empa entwickelte Kühlbekleidung für Multiple-Sklerose-Betroffene.
  Für KMU können viele Wege zu neuen, marktfähigen Ideen führen. Gemäss Maike Scherrer von der Universität St. Gallen ist in erster Linie ein «innovationsfreundliches Klima» zu schaffen, so dass sämtliche Mitarbeitenden motiviert sind, eigene Ideen einzubringen. Um ein erfolgreiches Produkt zu entwickeln und zu vermarkten, müssten KMU ausserdem ihre Kunden sowie den Markt, in dem sie sich bewegen, genau kennen. Ein Faktor, bei dem die St. Galler Hochschule den KMU gerne ihre Unterstützung anbietet. Scherrer: «Die beste Idee nützt nichts, wenn damit nichts verdient wird.»
 
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Ingrid Kissling-Näf, die Leiterin der Förderagentur für Innovation (KTI), forderte am Innovation Day die Unternehmen auf, sich gemeinsam mit Forschungsinstitutionen um KTI-Fördergelder zu bewerben.
 

Kleine Unternehmen im Fokus der Förderpolitik des Bundes

Dabei sind gerade für KMU neue Produkte wichtig, denn sie fördern Gewinn, Wachstum, Image – und damit nicht zuletzt die Motivation der Mitarbeitenden. Die Schweiz steht im europaweiten Index zur Innovationsleistung seit Jahren auf Platz zwei. Damit diese Platzierung gehalten werden kann, müssten vor allem kleinere Unternehmen gefördert werden, betonte Ingrid Kissling-Näf, Leiterin der Förderagentur für Innovation (KTI). Denn fehlendes Kapital sei für KMU häufig ein wesentlicher Bremsstein für Innovationen. Hier wolle die KTI mit der Finanzierung von angewandten Forschungsprojekten an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft helfen. Im vergangenen Jahr hat die KTI 270 Unternehmen unterstützt, 78 Prozent davon waren KMU. Ab 2009 stehen den Unternehmen zudem bereits bei der Projekteingabe Experten zur Seite, was sich vor allem für KMU mit geringer Erfahrung im Innovationsbereich auszahlen dürfte.

 

Lassen sich in der Schweiz keine geeigneten F&E-Partner finden, sind Unternehmen gezwungen, im Ausland nach Unterstützung zu suchen. Doch wie finden sie im internationalen Umfeld den richtigen Partner für Technologie oder Entwicklung? Und wie gelangen KMU an wichtige Informationen über Entwicklungen aus dem Ausland? Das internationale Pendant zur KTI ist Euresearch. Es bietet KMU die Möglichkeit, an internationalen Innovations-Netzwerken teilzuhaben und vermittelt mögliche Partner für geplante Projekte im Ausland. «Wir können Unternehmen helfen, bei der Suche nach möglichen Partnern effizienter vorzugehen», erklärt Cédric Höllmüller von Euresearch. Dies durch so genannte Section Groups in den Datenbanken, die verschiedenen Branchen zugeteilt sind, beispielsweise Textilien. Auch nachdem ein Partner gefunden wurde, bietet Euresearch Unterstützung, etwa bei Verhandlungen. «Es kann sein, dass es dabei Schwierigkeiten gibt, weil es im Ausland ist, weil es eine andere Kultur ist, oder Sprachprobleme hinzukommen. Auch da können wir unterstützen.»

 
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An so genannten «Network Corners» gab es Gelegenheit, interessante Innovationen zu begutachten – etwa aus der Empa-Abteilung «Advanced Fibers» von Manfred Heuberger (rechts im Bild).
 

Erfolgreiche Projekte zeigen: Die Empa ist die richtige Innovationspartnerin

Am «Innovation Day 2008» wurden neben zahlreichen Kontaktmöglichkeiten auch einige erfolgreiche Produkte vorgestellt, die in Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen entstanden waren. Die Firma Weisbrod-Zürrer AG beispielsweise gelangte auf der Suche nach neuen Technologien für Schmutz abweisende Krawatten an die Empa. Eine F&E-Partnerschaft wurde vereinbart – und nach nur eineinhalb Jahren war das neue Produkt unter dem Namen Cocoontec® marktreif und ist seitdem im Handel. «Das war kein KTI-Projekt», erklärt Oliver Weisbrod in seinem Referat. «Es war kein so grosser Umfang, dass wir daraus ein Grossprojekt hätten machen müssen. Die Empa konnte das mit einer kleinen Auftragsforschung erledigen.» Ein weiteres Projekt hat die Empa zusammen mit der Firma Unico swiss tex GmbH realisiert, eine Technologie, die es ermöglicht, Kühlelemente in Textilien einzuarbeiten.

 

Dies führte schliesslich zur Herstellung von Kühlbekleidung für Multiple-Sklerose-Betroffene. Seit April letzten Jahres ist auch dieses Produkt erfolgreich auf dem Markt. Innovative Projekte wie diese, aber auch Anlässe wie der «Innovation Day 2008» veranschaulichen, dass auch für KMU Möglichkeiten bestehen, trotz beschränkter Ressourcen Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen.


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