Schals und Uhren mit Empa-Technologie

Goldene Zeiten für «Fashionistas»

13.12.2016 | CORNELIA ZOGG
Der an der Empa entwickelte Goldfaden zieht weite Kreise. Nachdem bereits eine Dessous-Kollektion mit der neuartigen Technologie veredelt wurde, folgen nun Schals und Luxus-Uhren. Ein langer Weg für die edle Hightech-Faser aus den Empa-Labors auf die Laufstege dieser Welt.
/documents/56164/456104/Goldgarn_KTI_Representative+Image/7b56e8d3-544c-4aed-8042-f2c6f7d59f4b?t=1481707311973
Die «Big Band Broderie» von Hublot, bestickt mit dem Empa-Goldgarn.
/documents/56164/533602/KTI+Goldgarn+Schal/e72a617c-bb40-4b1a-92df-1cd07d3f2671?t=1461759530080
Einer der aus Goldgarn gewobenen Schals des Labels SOIE ET TOI des Designers Kyrill Höhener

Eine Empa-Innovation erobert allmählich die Modebranche. Begonnen hat der Erfolgszug vor zwei Jahren mit noblen Dessous, bestickt mit 24-karätigen Goldgarnen; vor kurzem nun hielten die güldenen Fäden Einzug in die Uhrenbranche der gehobenen Art, die Haute Horlogerie: Die Uhrenmanufaktur Hublot verwendet den mit Gold beschichteten Faden der Empa für das bestickte Ziffernblatt. Handwerkliche Feinstarbeit mit echtem, gesponnenem Gold. Das goldene Garn dazu wird nach einem Empa-Patent bei der Tersuisse Multifils SA in Emmenbrücke hergestellt.

Über zehn Jahre Grundlagenforschung betrieb die Empa, um einen Goldfaden zu entwickeln, der geschmeidig wie eine normale textile Faser und trotzdem abriebfest ist. Goldstrickereien waren zwar schon in vergangenen Jahrzehnten begehrt, doch die goldene Pracht hielt meist nicht lange. Damals wickelte man einen hauchdünnen Golddraht um einen Baumwoll- oder Seidenfaden, das Resultat war kratzig und schlecht biegbar, und an Maschinenwäsche war gar nicht erst zu denken. Die neue Goldfaser der Empa hält dagegen bis zu sechs Stunden bei 80 Grad in der Waschmaschine aus (trotzdem empfiehlt sich Handwäsche für die wertvollen Textilien).

Dass der Goldfaden so robust ist, verdankt er dem an der Empa entwickelten Herstellungsverfahren in eine Vakuum-Beschichtungsanlage, in der sich die zu beschichtende Faser und ein 24-karätiger Goldklumpen befinden. Der Klumpen wird mit Elektronen beschossen, einzelne Goldatome lösen sich ab – sie verdampfen quasi bei Raumtemperatur – und landen auf der Faser. Aus rund 100 solchen Polyesterfasern entsteht schliesslich ein Faden. Für das Ziffernblatt der Uhrenkollektion «Big Band Broderie» von Hublot wird das Goldgarn übrigens auf Carbonfasern gestickt, in Kunstharz getaucht und gepresst. Schliesslich darf der Zeiger der Uhr nicht am Stickmuster hängen bleiben.

Wärmendes Gold für die Wintermonate
Was am Handgelenk schön aussieht, wirkt auch um die Schultern glamourös. Im Herzen der europäischen Textilhochburg St. Gallen entstehen seit einigen Wochen goldene Schals und Foulards. Der Schweizer Textildesigner Kyrill Höhener kreiert mit dem Goldfaden keine Massenware, sondern handgewobene Einzelstücke aus 24-karätigem Gold – auf jahrzehntealten Webstühlen in Familienbesitz. Die kürzlich lancierte «Luxury Collection» führt gleich mehrere «Goldstücke». Auf den Webstühlen werden dazu bis zu 2000 einzelne Fäden zu einem Schal verarbeitet; bereits das Aufbauen und Vorbereiten des Webstuhls nimmt mehrere Tage in Anspruch. Kein Wunder, gewandet sich eine Käuferin oder ein Käufer eines solchen Schals nicht nur in ein einfaches Kleidungsstück, sondern in puren Luxus – in dem jede Menge Empa-Technologie und -Knowhow steckt.