Professor Meier hat bewiesen, dass kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe zur Herstellung von Schrägseilbrückenkabeln eingesetzt werden können und dass sie sich eignen zur Verstärkung von Gebäuden in erdbebengefährdeten Gebieten sowie zur Versteifung von Leichtbauteilen in der Automobilindustrie.
Mit seiner preisgekrönten Arbeit aus dem Jahr 1987, in der er die Möglichkeit einer Brücke über die Meerenge von Gibraltar darstellte, regte er die Phantasie der internationalen Gemeinschaft der Bauingenieure an. Theoretisch gesehen ist eine solche auf Stahlkabeln basierende Brücke unmöglich, da die Stahlkabel nämlich bereits bei einer Spannweite von 7 km nicht einmal mehr ihr eigenes Gewicht tragen können. Bei der Meerenge von Gibraltar wäre eine mittlere Mindestspannweite von 8,4 km erforderlich. Professor Meier führte in der Arbeit aus, dass der Einsatz von CFK statt Stahl zu einer Verdopplung oder gar Verdreifachung der Spannweite führen würde, bis zu der sich die Struktur selbst zu tragen in der Lage ist. Dies könnte den Bau einer derartigen Brücke durchaus ermöglichen.
1988 statteten drei Mitglieder der kanadischen Bauingenieurgesellschaft Urs Meier einen Besuch ab, und das Ergebnis war die Gründung einer technischen Kommission zur Untersuchung der Anwendungsmöglichkeiten von CFK. Die Kommission hat zwei Bücher publiziert, die weltweit die allerersten sind über den Einsatz von CFK im Brücken- und Hochbau, und auch zwei Konferenzen organisiert. Die Arbeit der Kommission hat Kanada auf diesem Gebiet an die Spitze gebracht. Kürzlich wurden zwei nationale Normen über die Verstärkung von Bauwerken mit Fasern herausgebracht, eine für Brücken, die andere für Gebäude. Dies hat wiederum bestätigt, dass Kanada im Einsatz von CFK eine international führende Stellung einnimmt.
1995 kam es im Rahmen des kanadischen Programms Networks of Centres of Excellence zur Gründung vom Canada Research Network ISIS, Intelligent Sensing for Innovative Structures. Sein Ziel besteht darin, das Bauwesen durch die Verwendung von faserverstärkten Polymeren und der in Kanada entwickelten faseroptischen Sensoren zu revolutionieren. Die dem Netzwerk angeschlossenen 280 WissenschaftlerInnen aus 15 Universitäten bieten Kanada die Möglichkeit, den weltweiten Markt für Bauwerkserneuerungen im Wert von 900 Milliarden Dollar zu bewirtschaften. Urs Meier hat ISIS seit Beginn an beraten und unterstützt. Als Dank rief ISIS 2004 das Stipendium «Urs Meier Scholarship» ins Leben.
Die Bande zwischen Urs Meier und den kanadischen Streitkräften stammen aus seiner Mitarbeit in der Forschungsgruppe des Royal Military College auf dem Gebiet der faserverstärkten Kunststoffe. Diese Gruppe wird grosszügig vom Militär subventioniert, das bei seinen Operationen auf eine schnelle Instandsetzung von Strukturen und auf die Aufstellung von Leichtstrukturen angewiesen ist. Seine Arbeiten in dieser Gruppe haben ihm zahlreiche nationale und internationale Preise und Ehrungen verschafft.
Professor Meier war den kanadischen Bauingenieuren stets ein zuverlässiger und wertvoller Freund. Er ist der geistige Urheber der wegweisenden Errungenschaften, die Kanada im Bereich der faserverstärkten Polymere vorweisen kann; sie sind eindeutig seiner herausragenden Arbeit zu verdanken. Urs Meier ist ein Mann mit festen Prinzipien und beeindruckendem Weitblick; er scheute selbst vor Kontroversen mit seinem Arbeitgeber, der Regierung, nicht zurück, als er befürchten musste, dass diese die wissenschaftliche Vision aufs Spiel gesetzt und sich für kurzfristigen, kommerziellen Nutzen entschieden habe.
Schon von jeher rekrutierten sich viele der kanadischen Soldier-Scholars, der «Gelehrten in Uniform» aus der Artillerie. Auch Urs Meier diente 34 Jahre lang in der Schweizer Armee. 1997 schied er im Rang eines Oberstleutnants und stellvertretenden Kommandeurs eines M109-Artillerieregiments aus der Armee aus. |