Weniger Berührungspunkte dank spezieller Textilstruktur «Wir evaluierten marktgängige Kunstfasern», erklärt Derler, «und entwickelten einen Stoff mit einer Art Punktrasteroberfläche.» Diese spezielle Textilstruktur hat zwei Vorteile: Erstens entstehen weniger Berührungspunkte und eine geringere Kontaktfläche mit der Haut und zweitens können die mikroskopischen Leerräume zwischen den Rasterpunkten Feuchtigkeit aufnehmen.
Was folgte, war ein spannender Pingpong-Prozess zwischen den Labors der Empa und der F+E-Abteilung von Schoeller im St. Gallischen Sevelen. Der Industriepartner optimierte seine Webtechniken und das Team von Siegfried Derler testete die neuen Muster an seinen ausgeklügelten Hautmodellen.
Ende 2009 war es dann soweit: Die Laborresultate erlaubten den Schritt ins Spitalbett. Als Testgruppe stellten sich 20 Querschnittgelähmte am Ende ihrer Erstrehabilitation am SPZ in Nottwil zur Verfügung, deren Haut durch die Invalidität zwar bereits verändert, aber noch nicht über Jahre geschädigt war.
Verbesserte Blutzirkulation und mehr Komfort Während rund anderthalb Jahren kontrollierten die Fachleute der Empa und das medizinische Personal in Nottwil regelmässig die Durchblutung sowie die Rötung, Elastizität und Feuchtigkeit der betroffenen Hautpartien. Das subjektive Befinden der Testpersonen wurde per Fragebogen erhoben. Die Ergebnisse waren mehr als erfreulich: sie schwitzten weniger, ihre Hautdurchblutung verbesserte sich und sie fühlten sich deutlich wohler als auf herkömmlichen Laken.
«Wir haben gezeigt, dass unser Ansatz der textilen Dekubitusprävention funktioniert», freut sich Hans-Jürgen Hübner, Chef von Schoeller Medical. Er lässt das neue Betttuch zurzeit am Firmenhauptsitz in Sevelen harten Tests unterziehen, die zeigen sollen, wie es sich nach mehrmaliger Nutzung und Reinigung verhält. Im kommenden Frühjahr will Schoeller Medical die Innovation dann auf den Markt bringen. «Wir sind daran, ein internationales Vertriebssystem aufzubauen», sagt Hübner. Einen potenziellen Kunden kennt er schon: Das SPZ ist aufgrund der ersten positiven Resultate daran interessiert, die neuen Betttücher breiter im Alltag einzusetzen. «Ausserdem», so Oberärztin Anke Scheel, «wären einige unserer Patienten daran interessiert, dass Betttuch auch zuhause zu nutzen.»
Autor: Jost Dubacher
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