Lokal verstärkter Laserspot macht Moleküle sichtbar
Bislang sahen sich Forscher wie Michler und seine Kollegin Silke Christiansen vom Max-Planck-Institut in Halle jedoch mit einem Problem konfrontiert. Damit bei der Spektroskopie mechanische Spannungen in kleinsten Bauteilen detektiert werden können, muss lokal der Laserspot verstärkt werden. Dazu dient eine metallische Spitze, hergestellt idealerweise auf den Nanometer genau in der nötigen Grösse und Form bis dato eine technische Unmöglichkeit. Deshalb war die Messung nicht empfindlich genug, um eine Kontrolle der Materialien auf der Nanometerskala zu ermöglichen und feinste Materialfehler zu entdecken.
Schon seit Jahrzehnten stehen Wissenschaftler vor der Frage: Wie lassen sich mit Hilfe von Laserstrahlen Moleküle sichtbar machen? Die Wellenlängen des Lichtspektrums von Lasern reichen bis zu einem Mikrometer (oder 1000 Nanometer). Moleküle hingegen sind nur wenige Nanometer gross und können daher von derartigen Lichtwellen nicht einzeln sichtbar gemacht das heisst aufgelöst werden. Einen Weg, die Lichtwellen «auszutricksen», fand 1974 der US-Chemiker Martin Fleischmann, dessen optische Experimente unter anderem die Ramanspektroskopie revolutioniert haben. Er entdeckte, dass eine gold- oder silberbeschichtete runde Spitze das Licht des Laserstrahls effizient in Moleküle oder Kristalle koppeln kann. Dadurch wird die Raman-Methode deutlich empfindlicher; theoretisch lassen sich auf diese Weise selbst einzelne Moleküle nachweisen.
In der Praxis ist allerdings bis heute die Feinheit der Spitzen das limitierende Element für eine hohe Auflösung. Das aufgesprühte Gold erstarrt nämlich in den verschiedensten Formen. Dadurch gerät die Spitze jedes Mal ein wenig anders in Grösse und Form. «So eine Spitze schaut unter dem Elektronenmikroskop aus wie das Matterhorn», sagt Michler. Um aber mit einer räumlichen Präzision im Nanometerbereich zu verfolgen, wie sich beispielsweise ein mikroelektronisches Bauteil im Lauf der Zeit verändert, muss auch die Spitze auf den Nanometer genau identisch sein. Nur dann sind die Messergebnisse vergleichbar.
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