Gliederpuppe Henry geht für uns durchs Feuer
Die Resultate einer kürzlich abgeschlossenen Studie stellte René Rossi von der Empa vor. Darin waren die in der Brennbarkeitsverordnung gestellten Anforderungen an Textilien auf ihre Praxistauglichkeit untersucht worden. Eine kontroverse Frage war, ob leichte Materialien mit sehr schneller Flammenausbreitung überhaupt massgebliche Verbrennungen auf der Haut verursachen oder ob sie zu schnell abbrennen, um einen gefährlichen Hitzetransfer zu ermöglichen. Die Veränderungen der Brennbarkeit von Textilien durch den Gebrauch (Tragen, Waschen, Tumblern) oder die Einflüsse des Klimas wurden ebenfalls untersucht.
Für die Untersuchungen an der Empa hielt die mit Temperatursensoren gespickte Gliederpuppe Henry seinen Kopf rsp. seine «Haut» hin. Die Ergebnisse zeigten klar, dass jeglicher Kontakt der Haut mit einer offenen Flamme Verbrennungen verursacht. Die Hypothese, dass sehr leichte Zellulosematerialien so schnell abbrennen, dass sie die Haut nicht verbrennen, wurde nicht bestätigt. Die FAG, die in der Brennbarkeitsverordnung festgelegt ist, scheint aber ein gutes Kriterium zu sein, um die Sicherheit von Bekleidungen aus Naturfasern zu eruieren. Dies bedeutet, dass leichte Materialien, die diesen Wert überschreiten, entweder vom Markt zurückgezogen oder flammhemmend ausgerüstet werden müssen.
Bei den Messungen mit der Puppe zeigte sich jedoch, dass einige Mischungen mit relativ hohen Anteilen an Zellulosefasern, kombiniert mit schmelzenden Synthetikfasern, unter Umständen eine erhöhte Gefahr für den Träger oder die Trägerin darstellen. Bei diesen Materialien wäre die Berücksichtigung des Wärmetransfers notwendig, um das Gefahrenpotential zu ermitteln. Der Wärmetransfer wird in der BrbV nicht berücksichtigt. |