Die internationale Vereinigung von rund 9000 Ingenieuren und Materialwissenschaftern «SAMPE» (Society for the Advancement of Material and Process Engineering) informiert ihre Mitglieder via Kongresse, Publikationen, Bücher und Ideenaustausch über neueste Erkenntnisse zu Material- und Werkstoffentwicklungen und Prozesstechnologien. Gegründet 1944 von einigen amerikanischen Flugzeugingenieuren, befasst sich die Vereinigung heute längst nicht mehr nur mit materialtechnischen Fragen in der Aviatik. So befasst sich SAMPE heute unter anderem auch mit den modernsten Entwicklungen im Bauwesen.
Eine ähnliche Entwicklung wie die Vereinigung SAMPE haben auch die mit Kohlenstofffasern verstärkten Kunststoffe hinter sich. Ursprünglich fanden diese, wohl wegen des hohen Preises, nur in der Luft- und Raumfahrt Anwendung. Die herausragenden Vorteile dieses Materials wie dessen geringes Gewicht, die hohe Festigkeit und die Korrosionsbeständigkeit, führten später auch zu anderen Anwendungen, etwa beim Bau von Fahrzeug- und Maschinenkomponenten. Sogar die Freizeitindustrie nutzte es für exklusive Velorahmen und Tennisschläger.
Die Idee, dieses Hightech-Material auch im Bauwesen einzusetzen, kam Prof. Urs Meier in den frühen Siebziger Jahren. In der Folge begann er an der Empa mit einer intensiven Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet, deren Ziel es war, kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) für Tragwerke, insbesondere die nachträgliche Verstärkung von Bauwerken anzuwenden. Mit Erfolg: 1991 kam es mit der Verstärkung einer Autobahnbrücke bei Ibach zu einer Weltpremiere. Die in ihrer Tragfähigkeit geschwächte Brücke aus Spannbeton konnte mittels drei Lamellen aus CFK innert kürzester Zeit wieder befahrbar gemacht werden. Die Methode erlebte darauf einen Erfolg nach dem anderen und ist heute «Stand der Technik». Prof. Meier zeigte auf, dass CFK auch in Kombination mit anderen Bau- und Werkstoffen einsetzbar ist, so etwa zur Verstärkung von historischen Holzbauten, zur Verbesserung von Mauerwerk in von Erdbeben gefährdeten Zonen, als Kabel für Schrägseilbrücken oder zur Versteifung von Leichtmetallen im Automobilbau.
Prof. Urs Meier wurde nun für sein Wirken als Pionier mit dem SAMPE Europe Award 2002 «In Recognition of his Outstanding Contribution to Materials & Process Engineering Developments» ausgezeichnet. Der Award wurde ihm anlässlich eines feierlichen Anlasses an der SAMPE-Jahreskonferenz am 11. April 2002 in Paris übergeben. Ein Erfolg für Prof. Meier, aber auch für die Empa. |