Der Bauingenieur 2001 mit dem renommierten Outstanding Structure Award (IABSE) für den Entwurf der Sunnibergbrücke bei Klosters ausgezeichnet monierte beim Vortrag an der Empa-Akademie, dass in der Brückenbautechnologie bereits seit längerem keine Innovationen mehr stattgefunden hätten, während in Auto- und Flugzeugbau, Physik und Chemie laufend grosse Fortschritte gemacht wurden.
Brücken besitzen zwar immer grössere Spannweiten: Die längste Brücke der Welt, die 2000 m Spannweite umfassende Akashi-Brücke in Japan (1998), unterscheidet sich in ihrer Bauweise jedoch kaum von der berühmten, 60 Jahre älteren Golden Gate Bridge in San Francisco. Um in Zukunft spektakuläre bauliche Wahrzeichen, so genannte Signature-Brücken, errichten zu können, braucht es neue Materialien und Technologien, welche die Kreativität der konstruktiven Ingenieurinnen und Ingenieure unterstützen.
Technologien und Materialien für grazilere, leichtere Bauwerke sind gefragt
Neben den Signature-Brücken würden auch unsere Standardbrücken, die sich eher an wirtschaftlichen Kriterien als an ästhetischen Werten orientieren, von Fortschritten in materialtechnischer Hinsicht profitieren. Nicht bloss, dass bestimmte Ideen sich heute ingenieurtechnisch gar nicht realisieren lassen in den gängigen Materialien für Brückenbauten, Beton und Stahl schlummern unangenehme Überraschungen. Wird das Bewehrungsmaterial Stahl zwecks Korrosionsschutz mit einer mehrere Zentimeter dicken Schicht Beton überdeckt, ist es zwar erst einmal vor der Zersetzung geschützt. Durch eindringendes Wasser und chemische Einflüsse (z.B. durch Chloride) beginnt jedoch auch Betonstahl zu korrodieren. Für Christian Menn handelt es sich bei der obsessiven Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls deshalb um eine heilige Kuh, die geschlachtet werden sollte. Durch Reduktion der Betonüberdeckung wären beim Brückenbau kleinere Querschnitte realisierbar, die grazilere, leichtere Bauwerke zuliessen. Nicht zuletzt wegen des geringeren Materialverbrauchs würden sie auch finanziell günstiger zu stehen kommen. Allerdings müssten dann andere Massnahmen wie Abdichtungen und Beschichtungen ergriffen werden, um den Betonstahl vor korrosiven Einflüssen zu schützen. Christian Menn plädierte deshalb für mehr Forschung und Entwicklung, z.B. für zähere Beschichtungen des Betonstahls und Versiegelung der Betonoberfläche. Er ermunterte auch zu der in Europa unkonventionellen Bauweise der externen Vorspannung. |